Nackenstützkissen und Matratze: Beides muss zusammen passen

Du kennst das wahrscheinlich. Du wachst morgens auf, der Nacken ist steif, die Schultern fühlen sich an wie Beton. Irgendwann reicht es dir, du kaufst ein ordentliches Nackenstützkissen. 80 Euro, gute Bewertungen, soll ja helfen. Zwei Wochen später ist alles beim Alten.

Der Fehler liegt meistens nicht am Kissen. Er liegt daran, dass Kissen und Matratze als zwei getrennte Dinge betrachtet wurden. Dabei funktionieren sie nur zusammen. Wer das nicht weiß, kann das teuerste Kissen kaufen, das der Markt hergibt, und wird trotzdem morgens mit Verspannungen aufwachen.

Was passiert eigentlich in deinem Körper, während du schläfst?

Acht Stunden liegst du weitgehend reglos. In dieser Zeit kann deine Nackenmuskulatur sich entweder erholen oder die ganze Nacht still dagegenarbeiten, dass dein Kopf falsch liegt. Was danach passiert, merkst du beim Aufstehen.

Das Ziel ist das, was Orthopäden die Neutralposition nennen. Die Wirbelsäule soll in ihrer natürlichen S-Form liegen, also weder nach oben abknicken noch nach unten durchhängen. Vom Becken bis zum Kopf sollte eine gerade Linie entstehen, egal ob du auf dem Rücken oder auf der Seite liegst. Wenn das gelingt, kann die Muskulatur loslassen. Wenn nicht, bleibt sie aktiv. Du schläfst, aber dein Körper arbeitet. Kein Wunder, dass du morgens platt bist.

Warum das Kissen allein nicht ausreicht

Dein Nackenstützkissen hat eine einzige Aufgabe. Es soll den Abstand zwischen deinem Kopf und der Matratze überbrücken und dafür sorgen, dass der Kopf in der Verlängerung der Wirbelsäule liegt. Wie groß dieser Abstand ist, hängt aber nicht vom Kissen ab. Es hängt davon ab, wie weit du in die Matratze einsinkst.

Das ist der Punkt, den die meisten übersehen. Wie weit du einsinkst, bestimmt die Matratze. Nicht du. Nicht das Kissen.

Wie die Matratze deine Kissenhöhe bestimmt

Stell dir vor, du liegst auf der Seite auf einer sehr festen Matratze. Deine Schulter gibt kaum nach. Der Abstand von der Matratzenoberfläche bis zu deinem Ohr ist groß. Du brauchst ein hohes Kissen, um diesen Spalt zu füllen.

Jetzt dieselbe Situation auf einer weichen Matratze. Die Schulter sinkt drei, vier, manchmal fünf Zentimeter ein. Der Abstand zum Ohr ist plötzlich viel kleiner. Nimmst du jetzt dasselbe hohe Kissen, wird dein Kopf nach oben gedrückt. Die Halswirbelsäule wird überstreckt, die Muskulatur muss dagegen halten. Die ganze Nacht.

Die Faustregel ist simpel: Je weicher die Matratze, desto flacher sollte das Kissen sein. Je härter die Matratze, desto mehr Höhe brauchst du.

Was das in der Praxis bedeutet

Bei schmalen Schultern unter 40 cm reicht auf einer weichen Matratze oft schon ein Kissen von rund 5 cm Höhe. Auf einer harten Matratze darf es bis zu 8 cm sein. Wer breitere Schultern hat, braucht entsprechend mehr. Ein kräftiger Mann mit über 50 cm Schulterbreite und mittelfester Matratze kann gut auf 14 oder 15 cm kommen.

Das klingt nach viel Spielraum. Und das ist er auch. Deshalb ist ein höhenverstellbares Kissen beim ersten Kauf keine schlechte Idee, aber dazu komme ich später.

Seitenschläfer, Rückenschläfer, Bauchschläfer: Wer muss was beachten?

Für Seitenschläfer ist das Zusammenspiel am kritischsten

Wer auf der Seite liegt, hat den höchsten Druck durch die Schulter auf die Matratze. Je nach Körpergewicht und Matratzenmaterial variiert das Einsinken stark. Nehmen wir an, du hast einen Stützbedarf von 12 cm gemessen. Deine Schulter sinkt aber 3 bis 4 cm in eine weichere Matratze ein. Der tatsächliche Abstand zwischen Kopf und Matratze beträgt dann vielleicht nur noch 8 oder 9 cm. Wer das ignoriert und ein 12-cm-Kissen kauft, liegt die ganze Nacht mit nach oben gedrücktem Kopf.

Ich habe solche Kissen schon in der Hand gehabt, die auf dem Tisch perfekt aussahen und auf der Matratze einfach zu hoch waren. Der Unterschied fällt erst auf, wenn man sich wirklich hinlegt. Am besten lässt du jemanden von hinten auf deine Wirbelsäule schauen. Bildet sich vom Steißbein bis zum Kopf eine gerade Linie? Dann passt die Kombination.

Rückenschläfer unterschätzen oft ihr Kissen

Viele Rückenschläfer denken, sie brauchen ein hohes Kissen, weil der Nacken ja gestützt werden muss. Meistens ist das Gegenteil richtig. Ein zu hohes Kissen drückt den Kopf nach vorne, die Halswirbelsäule knickt ab. Die meisten Rückenschläfer sind mit 5 bis 8 cm gut bedient.

In Rückenlage sinkt die Schulter nämlich kaum ein. Der Abstand zwischen Kopf und Matratze ist von vornherein klein. Wer das nicht bedenkt, kauft sich ein Kissen, das mehr schadet als nützt.

Bauchschläfer: Das eigentliche Problem liegt woanders

Wer auf dem Bauch schläft, muss den Kopf die ganze Nacht zur Seite drehen. Das belastet die Halswirbelsäule unabhängig davon, welches Kissen benutzt wird. Das grundlegende Problem ist die Position selbst, nicht das Kissen.

Wie findest du die richtige Kissenhöhe für deine Matratze?

Die einfachste Methode ist die Wandmessung. Du stellst dich seitlich mit locker anliegender Schulter an eine Wand und misst den Abstand zwischen Kopf und Wand. Weil die Schultern auf der Matratze aber noch einsinken, zieht man davon 3 bis 4 Zentimeter ab. Das Ergebnis ist ein grober Richtwert für die Kissenhöhe.

Wer es genauer haben will, nimmt die Büchermethode. Du legst dich auf deine eigene Matratze und schiebst Bücher unterschiedlicher Dicke unter den Kopf, bis die Wirbelsäule gerade liegt. Diese Höhe plus etwa 2 Zentimeter ergibt deine Zielgröße, weil das Kissen selbst ja auch noch etwas nachgibt.

Beides sind Richtwerte. Das eigene Wohlbefinden nach ein paar Nächten ist am Ende der verlässlichste Maßstab.

Worauf solltest du beim Kauf eines Nackenstützkissens achten?

Ein höhenverstellbares Kissen ist beim ersten Mal Gold wert

Wer zum ersten Mal ein Nackenstützkissen kauft, sollte unbedingt auf Höhenverstellbarkeit achten. Diese Modelle haben herausnehmbare Schaumstofflagen, mit denen man die Höhe in Zentimeterschritten anpassen kann. Klingt banal, ist aber der entscheidende Vorteil: Du weißt erst nach ein paar Nächten, ob die Höhe wirklich passt. Kein Messergebnis garantiert das auf Anhieb. Mit einem verstellbaren Kissen kannst du nachjustieren, statt direkt das nächste kaufen zu müssen.

Was steckt drin?

Viscoschaum passt sich durch Körperwärme an und fühlt sich für viele sehr angenehm an. Wer in einem kühlen Schlafzimmer schläft, sollte wissen, dass das Material morgens noch recht fest ist und erst nach ein paar Minuten weicher wird.

Latexkissen sind formstabiler und federn beim Drücken zurück. Sie stützen aktiver und halten länger ihre Form. Für Menschen, die eine klare Unterstützung wollen, oft die bessere Wahl. Es dauert nur etwas, bis man sich daran gewöhnt hat.

Faser- und Daunenkissen bieten kaum Stützfunktion. Sie sind weich und kuschelig, für Menschen ohne Beschwerden völlig in Ordnung. Wer aber gezielt den Nacken entlasten will, braucht mehr Halt als eine Faserfüllung geben kann.

Wann taugt ein teures Kissen trotzdem nichts?

Viele Nackenstützkissen haben zwei Seiten mit unterschiedlicher Höhe, eine höhere für Seitenschläfer und eine flachere für Rückenschläfer. Das klingt praktisch, löst aber das eigentliche Problem nicht. Denn welche Seite passt, hängt eben auch von der Matratze ab. Ein Kissen, das auf einer mittelfesten Matratze perfekt sitzt, kann auf einer weichen Matratze der falsche Griff sein. Das ist kein Qualitätsmangel. Es ist eine Frage der Kombination.

Was ist, wenn du nachts die Position wechselst?

Die meisten Menschen drehen sich mehrmals um. Das macht die Sache komplizierter, ist aber kein unlösbares Problem. Seitenschläfer brauchen ein höheres Kissen, Rückenschläfer ein flacheres. Wer beides in einer Nacht braucht, muss Kompromisse eingehen.

Kissen mit einer Wellenform helfen dabei. Eine Seite ist höher, die andere flacher, und man dreht das Kissen je nach Position. Höhenverstellbare Kissen mit zwei unterschiedlichen Lagen funktionieren ähnlich. Kein Modell löst das Problem perfekt. Aber man kann es deutlich kleiner machen, wenn man weiß, in welcher Position man den Großteil der Nacht verbringt, und das Kissen darauf ausrichtet.

Die häufigsten Fehler beim Kauf

Der größte Fehler ist, Kissen und Matratze getrennt zu betrachten. Du kaufst ein Kissen, ohne zu wissen, wie hart deine Matratze ist. Oder du kaufst eine neue Matratze und behältst das alte Kissen, das für eine ganz andere Unterlage ausgewählt wurde. Das klingt selbstverständlich, wird aber erstaunlich oft vergessen.

Ein anderer Klassiker ist zu schnell aufzugeben. Ein neues Nackenstützkissen fühlt sich in den ersten Nächten fast immer ungewohnt an, besonders wenn man vorher auf einem weichen Federkissen geschlafen hat. Ich selbst durfte das am eigenen Leib erfahren. Die ersten zwei Nächte mit einem Viscokissen waren merkwürdig, fast unbequem. Ab der dritten Nacht war die morgendliche Steifigkeit so gut wie weg.

Gib einem neuen Kissen mindestens zwei bis drei Wochen Zeit. Und schreib dir auf, wie du dich morgens fühlst. Das eigene Gedächtnis ist trügerisch. Ein paar kurze Notizen helfen dir besser einzuschätzen, ob sich wirklich etwas verbessert.

Was kannst du jetzt konkret tun?

Fang damit an, deinen Matratzen-Härtegrad herauszufinden. Wenn du ihn nicht mehr weißt, drück mit dem Handballen kräftig rein. Gibt sie deutlich nach? Eher weich. Kaum Widerstand? Eher hart.

Dann überleg, in welcher Position du überwiegend schläfst. Seitenschläfer brauchen mehr Kissenhöhe als Rückenschläfer, und beide brauchen je nach Matratzenhärte unterschiedliche Mengen davon.

Wenn du zum ersten Mal kaufst, nimm ein höhenverstellbares Modell. So kannst du ausprobieren, ohne sofort das nächste kaufen zu müssen. Und wenn du ein neues Kissen hast, bitte jemanden, von hinten auf deine Wirbelsäule zu schauen, während du liegst. Entsteht eine gerade Linie von der Hüfte bis zum Kopf? Dann stimmt die Kombination.

Falls nach ein paar Wochen trotzdem noch Beschwerden da sind, lohnt sich ein Termin beim Physiotherapeuten. Ein Kissen kann einiges verbessern. Aber es ersetzt keine Behandlung, wenn dahinter ein echtes Problem steckt.

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